Als „die schönste Aufgabe der Kunst“ bezeichnete die Malerin Lotte Laserstein das Porträtmalen und setzte in den ‚Goldenen Zwanzigern‘ selbst neue Maßstäbe in der Porträtkunst. In dem Film „Ich sehe dich und mich“ werden sie und andere Künstlerinnen wie Frida Kahlo oder Paula Modersohn-Becker in den Blick genommen, die mit ihren jeweils ganz eigenen weiblichen Sichtweisen bei der Gestaltung von Porträts brillierten. Dabei liegt der Fokus vor allem auf der Zeit der letzten 200 Jahre, denn erst im 19. und 20. Jahrhundert konnten sich Frauen im männlich dominierten Kunstbetrieb gegen viele Widerstände emanzipieren.

Im Zentrum des Films steht der wechselvolle Lebensweg von Lotte Laserstein, in deren Porträts sich die gesellschaftlichen Katastrophen, aber auch die künstlerischen Qualitäten des 20. Jahrhunderts abbilden. Der Film begibt sich auf Spurensuche: Vom Berlin der 20er Jahre in das südliche Schweden, in dem Laserstein flüchtend vor den Nazis 1938 ihr Exil findet. Die Laserstein-Biografin Anna-Carola Krausse sowie unser schwedischer Autor Fredrik Sjöberg folgen vor Ort dem Lebensweg dieser Ausnahmekünstlerin. Sjöbergs Interesse an Laserstein wurde durch einen Zufallsfund auf einem Flohmarkt geweckt: Für wenig Geld erwarb er das Aquarell einer schwedischen Landschaft, die er geografisch zuordnen konnte. Später dann entpuppte sich das Werk als das wahrscheinlich erste Bild, das Lotte Laserstein auf schwedischem Boden malte. Sjöberg war inspiriert – und begann weiter nachzuforschen. Sein Buch „Vom Aufhören“ (Galiani Berlin 2018) widmet sich dieser faszinierenden Künstlerinnenbiografie.

Wie vielfältig der weibliche Blick auf das menschliche Antlitz sein kann, zwischen intimer Nähe und sensibler Distanz, wird eindrücklich in diesem Film gezeigt.

 „Ich sehe dich und mich – Porträtmalerinnen“, ein Film von Günther Klein, am 27.02. um 16:10 auf arte und in der Mediathek. Mehr Informationen unter: https://www.arte.tv/de/videos/098106-000-A/ich-sehe-dich-und-mich-portraetmalerinnen