Literatur zwischen „Fake News“ und ethischem Anspruch

„Wenn ein Schriftsteller den Status quo in Frage stellt, geht er immer ein Risiko ein.“

Andrea Scrimas erster Roman „Wie viele Tage“, der Anfang 2018 im Droschl-Verlag erschienen ist, hat breite Aufmerksamkeit erfahren. Die Rezensionen in der Presse und im Radio waren sehr positiv, außerdem gab es ein Interview mit unserer Autorin in der Neuen Zürcher Zeitung, in dem sie sich kritisch über die politischen und kulturellen Zustände in ihrem Herkunftsland USA äußert. Beim Blick auf die alte Heimat sei räumliche Distanz durchaus vorteilhaft, sie selbst empfinde die Entfernung nach 34 Jahren in Berlin „fast als lebensnotwendig“, weil man doch mehr sehe, wenn man „nicht im selben Schlamassel steckt“.

Thematisch dazu passend meldet sich Andrea Scrima in der aktuellen Ausgabe der Literaturzeitschrift „Schreibheft“ mit einem Essay über den US-amerikanischen Schriftsteller Don DeLillo erneut zu Wort: „Amerikas blinde Flecken – Don DeLillo (wieder) lesen in dunklen Zeiten.“ Sie interessiert, ob DeLillos Werk von Americana bis Falling Man hilfreich sein könne, um die „beispiellose politische Situation zu analysieren, in der wir uns gegenwärtig befinden“. In den Äußerungen des fiktiven Personals der Romane findet sie immer wieder eindrückliche Belege – „Momente von bestürzender Hellsicht“ – für die „Pathologie des Staates“ und die Hybris seiner Akteure. Allem Anschein nach, so Scrima, würden DeLillos Bücher nicht altern.

Die übergeordnete Frage lautet, wie Schriftsteller heute ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden können. Scrima ist keinesfalls der Ansicht, „dass ein Schriftsteller ein Aktivist sein muss“, dass es aber trotz politischen Drucks, ökonomischer Zwänge im Verlagswesen und drohendem Bedeutungsverlust  in der „medialen Kakophonie“ weiterhin sinnvoll und möglich sei, einem ethischen Anspruch zu folgen – lesenswerter, spannender Diskussionsstoff und Blaupause für die Auseinandersetzung mit anderen Autoren oder (eigenen) Büchern.

Wer Andrea Scrima live erleben möchte, kann in diesem Sommer noch zwischen verschiedenen Terminen und Orten wählen:

Lesungen mit Andrea Scrima:

Samstag 25. August 2018 – Bad Oeynhausen & Löhne: Internationales Literaturfest „Poetische Quellen“, Beginn 14:30 Uhr

Sonntag 26. August 2018 – Erlangen: 38. Erlanger Poetenfest, Orangerie im Schlossgarten, Beginn 16:00 Uhr

Samstag 8. September 2018 – Berlin: Kunstraum Manière Noire, Beginn 18:00 Uhr

Andrea Scrima